Sabine de Mardt im DWDL.de-Interview "Ein Kompromissvorschlag liegt auf dem Tisch. Take it!"
4. Februar 2026 von Torsten Zarges – erschienen bei DWDL
Auf die Netflix-Serie „Unfamiliar“ folgen Neuauflagen von „Heidi“ und „Wanderhure“. Hier erklärt Gaumont-Chefin Sabine de Mardt, wie sie die Großprojekte stemmt, was einen Mittelalter-Dreh in Deutschland möglich macht und warum die Politik jetzt liefern muss.
Gaumont Deutschland Geschäftsführerin Sabine de Mardt, Foto: Melanie Grande

Frau de Mardt, während bei Netflix „Unfamiliar“, ein neuer Originalstoff ohne Vorlage, startet, bereiten Sie Ihre nächsten Serienprojekte „Heidi“ und „Die Wanderhure“ vor, beide als große internationale Koproduktionen. Sind diese beiden Stoffe symptomatisch für den anhaltenden Retro-Trend?
Beide Stoffe sind große Marken und insbesondere „Heidi“ weltweit bekannt. Die „Wanderhuren“-Trilogie hatte seinerzeit knapp 30 Millionen Zuschauer und wird jetzt modern und zeitgemäß neu erzählt. Von daher geht es um populäre Stoffe, die eine gute Startposition in einem Markt haben, in dem wöchentlich neue Serien und Filme ihre Zuschauer erreichen möchten. Jeder Sender und Streamer ist glücklich, wenn die Marke so groß ist, dass sie eine Grundaufmerksamkeit mitbringt und man nicht bei Null anfängt. Ich bin mir sicher, dass auch „Unfamiliar“ als Originalstoff ohne vorbestehende IP viel Aufmerksamkeit generieren wird. Das ist der Qualität der Serie, dem fantastischen Cast, allen beteiligten Kreativen und Netflix zu verdanken, die mit uns an die Serie glauben und ein wahres Marketing-Feuerwerk zünden.
Wie viel schwieriger ist es aus produzentischer Sicht, mit einem Projekt Gehör zu finden, das keiner IP entspringt?
Im ersten Aufschlag ist es sicherlich einfacher, eine große Marke anzubieten. Andererseits sieht man ja selbst im US-Markt, dass solche Marken nicht zu Dutzenden vom Baum fallen. Da müssen im Marvel-Universum jetzt schon sämtliche Superhelden mit- und gegeneinander kämpfen, um die Fans bei der Stange zu halten. Perspektivisch brauchen wir neue Marken, die wir erst einmal etablieren müssen. Das geht nur mit Partnern, die den Mut haben, einen solchen Prozess durchzuhalten und zum Erfolg zu führen.
Hat „Unfamiliar“ das Zeug zur Marke? Könnten die Ex-Spione und Eheleute Meret und Simon mit weiteren Fällen wiederkehren?
Absolut. Wir glauben fest daran. Die enge Verzahnung von Spionagethriller und Familiendrama macht das Format zu etwas Besonderem. Dieses Geflecht aus Unsicherheit und Lügen, aus geheimen Plänen und Strategien – getragen von der Dreidimensionalität liebender Elternfiguren mit ihrer Tochter – liefert eine ganze Menge Story-Potenzial. Gemeinsam mit Netflix sind wir überzeugt davon, dass „Unfamiliar“ durchaus auch über Deutschland hinaus erfolgreich sein kann. Mit den Regisseuren Lennart Ruff, Philipp Leinemann und DOP Christian Stangassinger haben wir bewusst einen internationalen Look & Feel erzeugt. Authentizität in der Geschichte war uns besonders wichtig, so haben wir schon früh mit dem BDN Kontakt aufgenommen. Als erste Produktion überhaupt durften wir Außenszenen beim BND in Berlin drehen.
Zur angestrebten Internationalität passt, dass Sie mit Paul Coates einen britischen Creator und Headautor haben.
Mit Paul hatten wir bereits bei „Barbaren“ zusammengearbeitet. Er hatte uns die Idee eines Familiendramas im Gewand eines Spionagethrillers angeboten, ursprünglich angesiedelt in London. Wir haben gemeinsam überlegt, ob und wie man es nach Deutschland holen kann, und schnell festgestellt, dass das sogar noch besser passt. In der Weiterentwicklung hat sich zwischen unserem federführenden Produzenten Andreas Bareiss, Paul, der Producerin Lina Zopfs sowie Jan Bennemann und Grace Bridger von Netflix-Content-Seite ein eng zusammenarbeitendes Kreativteam formiert.
Dieser ständige Mix aus Auftragsproduktionen wie „Unfamiliar“ und internationalen Koproduktionen mit diversen Finanzierungsbausteinen wie „Heidi“ oder „Wanderhure“ ist für ein Haus Ihrer Größe vermutlich alternativlos.
Es ist unsere heutige Realität, vielfältige Produktions- und Finanzierungsmodelle parallel zu verfolgen. Wir stellen uns immer wieder neu auf das Wesen unserer Projekte und unsere Partner ein. Dabei muss man die richtige Dosierung im Blick behalten. Wenn man zum Beispiel eine Koproduktion mit drei Ländern und drei Senderpartnern macht, dann gibt es viel Abstimmungsbedarf, und da gilt es, den kreativen Prozess optimal zu betreuen. Mit einem Auftraggeber wie Netflix läuft die Abstimmung auch aufgrund kurzer Wege und des gegenseitigen Vertrauensverhältnisses sehr reibungslos. Darüber hinaus gibt es dort ein großes Produktions-Know-how, verbunden mit einem klaren Verständnis für wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Gemeinsame Ziele werden dabei realistisch im Budget reflektiert.
Also keine generelle Absage an die Auftragsproduktion mit Buyout?
Wir brauchen einen Rechterückbehalt, wie wir ihn auch politisch fordern – in Anerkennung der kreativen Leistung und des Produktionsrisikos der Produzentinnen und Produzenten. Um ein Unternehmen auf eine gesunde, breite Basis zu stellen, geht es nicht ohne Rechte. Ich vergleiche das immer gern mit der Produktion eines Stuhls: Wenn mein Design dem Kunden gefällt, kauft er den Stuhl und bezahlt dafür hundert Prozent der Herstellungskosten plus die eingerechnete Marge. Trotzdem gehören Entwurf und Prototyp weiterhin mir. Hier braucht es eine faire Aufteilung.
Lassen Sie uns über die Vorbereitung Ihrer nächsten Serien sprechen. Wie kam es zum „Heidi“-Reboot?
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Das vollständige Interview gibt es bei DWDL


















