THE SPOT Interview mit Andreas Bareiss zu UNFAMILIAR: „Ein Genreversprechen muss man einhalten“

4. Februar 2026 von Frank Heine – erschienen bei THE SPOT MEDIA & FILM

Mit „Unfamiliar“ startet am 5. Februar auf Netflix die nächste deutsche Serie von Gaumont, die auch ein großes internationales Publikum erreichen soll. Produzent Andreas Bareiss sprach mit uns über den sechsteiligen Spionage-Thriller, der im Hier und Jetzt Berlins angesiedelt ist.

Nach „Barbaren“ ist „Unfamiliar“ Ihre zweite Produktion für Netflix. Wie ist es, wenn man sich schon kennt, geht man verschiedene Projekt-Optionen gemeinsam durch oder kamen Sie konkret mit diesem Projektvorschlag auf Netflix zu?

Andreas Bareiss: Durch die lange gemeinsame Arbeit von Netflix und Gaumont an „Barbaren“ ist ein gewisses Vertrauensverhältnis entstanden. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung für eine weitere Zusammenarbeit. Wir haben mit dem Autor Paul Coates auf der einen und Netflix auf der anderen Seite schon in der Vorbereitung einer möglichen dritten Staffel von „Barbaren“ zusammengearbeitet. Auch wenn es nicht dazu kam, war das eine sehr gute Erfahrung. Als uns Paul später seine Idee zu einer Spionage-Geschichte pitchte, war ich sofort hellhörig. Ich wollte schon immer eine Spionagegeschichte realisieren. Wir mussten allerdings seine Geschichte, die ursprünglich auf England gemünzt war, so anpassen, dass sie auch in Deutschland spielen konnte.

Wie kamen Sie auf Paul Coates, der hierzulande eher ein unbeschriebenes Blatt ist?

Andreas Bareiss: Auf der Suche nach Autor:innen für eine potenzielle dritte Staffel von „Barbaren“ haben wir uns auch an die verschiedenen Gaumont-Büros in Paris, Rom und London gewandt. Einer der vorgeschlagenen Autoren war Paul. Wir haben ein Spec Script von ihm gelesen und im Anschluss intensive Gespräche geführt. Sowohl die Ideen, die er für „Barbaren 3“ entwickelt hat, als auch seine klare, inspirierende Art der Präsentation haben mich sofort überzeugt. Im weiteren Verlauf hat uns Paul bereits bei der Endfertigung der zweiten Staffel unterstützt und dabei auch Lennart Ruff kennengelernt, der später bei „Unfamiliar“ unser Lead-Regisseur wurde. Schon damals zeichnete sich ab, dass aus dieser Begegnung eine fruchtbare Zusammenarbeit entstehen könnte.

Spionageserien sind ein im High-End-Segment gern gepflegtes Genre. Was hat Sie als leidenschaftlicher Spionage-Thriller-Fan am Stoff von „Unfamiliar“ überzeugt?

Andreas Bareiss: Uns – da spreche ich auch für Netflix – hat besonders die Familiengeschichte gereizt, die in dieser Spionagegeschichte steckt. Zwei ehemalige Topagenten sind ein Paar, betreiben ein Safe House und werden von ihrer Vergangenheit eingeholt. Diese Vergangenheit bildet die Verbindung zwischen der Familien- und der Spionagegeschichte ist. Die beiden Protagonisten leben unter falscher Identität mit ihrer Tochter zusammen, die diese falsche Identität nicht als solche wahrnimmt. Das entblättert sich nur ganz allmählich. All das im Zusammenhang mit der internationalen Verquickung einer Spionagegeschichte fanden wir sehr spannend, zumal die Ost-West Achse – Deutschland und Russland – durch diese besondere private Geschichte verbunden ist.

Viele Agentenstoffe sind historisch. Was hat Sie daran gereizt, die Geschichte im Hier und Jetzt zu erzählen?

Andreas Bareiss: Berlin ist nach 1989 zu einer Drehscheibe von Agenten geworden. Wenn man die letzten Jahre verfolgt, finden sich darin klare Hinweise, so zum Beispiel den Tiergarten-Mord 2019, in den russische Agenten involviert waren, Cyberangriffe und andere Vorkommnisse, bei denen immer wieder nachweislich russische Geheimdienste in Erscheinung traten. Ein zweiter Aspekt ist, dass wir uns in einer Art neuem Kalten Krieg befinden, es zumindest wieder ähnliche Konstellationen gibt wie in der Zeit ab 1949. Das hat uns motiviert, eine glaubhafte Geschichte aus Deutschland heraus als Politthriller mit einem wunderbar ikonografischen Familiendrama zu erzählen. Um dieser Geschichte ein hohes Maß an Authentizität zu verleihen – stets im bewussten Abgleich mit einer fiktionalen Geschichte – haben wir frühzeitig mit dem Bundesnachrichtendienst Kontakt aufgenommen. Daraus entwickelte sich ein konstruktiver Austausch mit dem BND.

Hoch interessant. Aber die Russland-Thematik ist natürlich diffizil. Der Ukraine-Krieg spielt in Ihrer Serie keine Rolle. Wie geht man damit am besten um?

Andreas Bareiss: Es war eine bewusste Entscheidung, in der Serie keinen direkten Bezug zum Ukraine-Krieg aufzugreifen, weil man nicht wissen kann, ob das, was man heute erzählt, morgen noch Gültigkeit hat. Man wird in dieser Frage permanent vom Alltag überrollt. Wir würden weder der Situation in der Ukraine noch der Serie gerecht werden. Auch wenn wir uns alle gewünscht hätten, dass der Krieg viel schneller zugunsten der Ukraine zu Ende gegangen wäre.

Die Serie bezieht sich auch nicht auf reale Ereignisse oder gibt es ein Vorbild für das Ereignis in Belarus, das Sie in den Rückblenden erzählen?

Andreas Bareiss: Nein. Belarus ist jedoch ein Ort, an dem ein russischer Spion, der überlaufen will, eher reisen kann, ohne dass dies vom eigenen Geheimdienst unmittelbar als verdächtig wahrgenommen wird. Historisch und geopolitisch dient Belarus oft als eine Art Transfer- oder Pufferland zwischen Russland und dem Westen.

Der größte Trumpf ist die Komplexität der Handlung, nicht zuletzt dank mehrerer Akteure, die sich gegenseitig überwachen. Ständig wechselt, wer am längeren Hebel sitzt. Ist das die Handschrift von Paul Coates?

Andreas Bareiss: In der Tat ist das seine Art, Geschichten zu erzählen. Das steckt in Paul schon drin. Gemeinsam, in enger Zusammenarbeit mit Netflix, haben wir bei der Entwicklung einfach darauf geachtet, innerhalb dieser verschiedenen komplexen Ebenen trotzdem immer eine gewisse Klarheit zu behalten. Wir haben uns am Prinzip der Babuschka oder der Zwiebel mit ihren verschiedenen Schichten orientiert. Die große Herausforderung war in der Tat, sich nicht in der Komplexität zu verlieren und für den Zuschauer Andockstationen zu finden, was am Ende des Tages vor allem durch die Familiengeschichte gelingt.

Dass Kim Zimmermann und Alexander Seibt noch zum Autorenteam stießen, hat vermutlich damit zu tun, dass die deutsche Komponente nicht zu kurz kommt?

Andreas Bareiss: Bei einer Koautorenschaft geht es zunächst einmal darum, dass es im Team funktioniert. Deshalb gab es vorab zahlreiche Besprechungen. Kim Zimmermann kam dann sehr schnell dazu. Von Netflix kam der Vorschlag, dass Alex eine Folge schreiben soll. In einer Art Workshop haben wir festgestellt, dass alle drei gut harmonieren und uns für diese Konstellation entschieden. Und ja, dass wir einen deutschen Autorenanker als sinnvoll erachtet haben, spielte auch eine Rolle. Wir haben uns lange drüber unterhalten, was an unserer Serie deutsch ist.

Und?

Andreas Bareiss:

Das vollständige Interview gibt es bei THE SPOT MEDIA & FILM

Über UNFAMILIAR

Die einstigen Top-Agenten Meret (Susanne Wolff) und Simon (Felix Kramer) betreiben mitten in Berlin ein geheimes Safe House. Als sie eines Tages von einer längst begraben geglaubten Bedrohung eingeholt werden, müssen sie sich plötzlich Auftragskillern, russischen Agenten, dem BND und gefährlichen Ex-Lovern stellen und dabei versuchen, ihre große Lebenslüge zu schützen, die sie alles kosten könnte: Ihre Familie, ihre Ehe und ihr Leben.

Regie: Lennart Ruff (Lead), Philipp Leinemann
Creator / Headautor: Paul Coates
Drehbuch: Paul Coates, Kim Zimmermann, Alexander Seibt
Produzent: Andreas Bareiss
Executive Producer: Sabine de Mardt, Paul Coates, Sidonie Dumas
Producer: Lina Mareike Zopfs
Kamera: Christian Stangassinger
Production Design: Myrna Wolff
Kostüm: Silke Faber
Head-Editor: Carolin Biesenbach
Musik: Jessica Jones
Besetzung: Susanne Wolff, Felix Kramer, Samuel Finzi, Natalia Belitski, Andreas Pietschmann, Maja Bons, Genija Rykova, Henry Hübchen, Seyneb Saleh, Laurence Rupp, Sina Martens, Anand Batbileg Chuluunbaatar, Aaron Altaras
Produktion: Gaumont

Mehr Hintergrundinformationen sowie die Gespräche mit dem Regisseur, Head-Autor und den Produzent:innen von UNFAMILIAR gibt es hier.

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