DWDL | Bildschirmheldin 2020: Sabine de Mardt - Kulturbotschafterin mit Streaming-Rekord

Die Deutschland-Chefin von Gaumont hat Netflix den bislang erfolgreichsten Neustart einer nicht-englischsprachigen Serie beschert. Ihre „Barbaren“ sorgen dafür, dass sich die Wahrnehmung von deutschem Fernsehen und deutscher Geschichte wandelt.

Sabine de Mardt ist seit 1. Juli 2018 Geschäftführerin der Gaumont GmbH

Sabine de Mardt, Geschäftsführerin Gaumont GmbH

Das Lob des Kritikers fiel umfassend aus: „‚Barbarians‘ hat alle Kampf- und Sexmomente, die ein modernes Publikum erwartet. Aber es ist auch eine wunderbare Lehrstunde dafür, wie Mühe und Recherche zu einer Serie mit Haltbarkeit und erzählenswerter Geschichte führen können.“ So urteilte das neuseeländische Magazin „Stuff“ im Oktober zur Veröffentlichung des deutschen Netflix-Originals „Barbaren“.

Es ist nicht selbstverständlich, dass Fernseherzeugnisse aus hiesiger Herkunft am anderen Ende der Welt wahrgenommen werden. Die längste Zeit geschah das eher nicht. Und wenn, dann stand Dauerexport „Derrick“ im Ausland für die deutsche TV-Mentalität. Dass Macher hierzulande Mystery können, hat sich erst in den letzten drei Jahren dank „Dark“ herumgesprochen. Dass sie aber auch zu einer Serie fähig sind, die „Fans von ‚Game of Thrones‘ und ‚Vikings‘ sicher lieben werden“ („Forbes“), ist eine neue Erkenntnis des Streamingjahres 2020.

von Torsten Zarges
am 10.12.2020 – 16:40 Uhr
Das Lob des Kritikers fiel umfassend aus: „‚Barbarians‘ hat alle Kampf- und Sexmomente, die ein modernes Publikum erwartet. Aber es ist auch eine wunderbare Lehrstunde dafür, wie Mühe und Recherche zu einer Serie mit Haltbarkeit und erzählenswerter Geschichte führen können.“ So urteilte das neuseeländische Magazin „Stuff“ im Oktober zur Veröffentlichung des deutschen Netflix-Originals „Barbaren“.

Es ist nicht selbstverständlich, dass Fernseherzeugnisse aus hiesiger Herkunft am anderen Ende der Welt wahrgenommen werden. Die längste Zeit geschah das eher nicht. Und wenn, dann stand Dauerexport „Derrick“ im Ausland für die deutsche TV-Mentalität. Dass Macher hierzulande Mystery können, hat sich erst in den letzten drei Jahren dank „Dark“ herumgesprochen. Dass sie aber auch zu einer Serie fähig sind, die „Fans von ‚Game of Thrones‘ und ‚Vikings‘ sicher lieben werden“ („Forbes“), ist eine neue Erkenntnis des Streamingjahres 2020.

Ein Format wie „Barbaren“ überhaupt ernsthaft zu pitchen, erfordert angesichts der herrschenden Budgetzwänge und der fehlenden Genreerfahrung im deutschen Markt eigentlich ein Mindestmaß an Größenwahn. Wer die Produzentin Sabine de Mardt kennt, weiß jedoch, dass ihr beharrliches Wirken im Hintergrund viel mehr liegt. Im Fall der „Barbaren“ kamen perfektes Timing und glänzende Vernetzung hinzu. Weil die französische Produktionsfirma Gaumont über ihre US-Tochter spätestens seit „Narcos“ zu den Hoflieferanten von Netflix zählt, kannte man frühzeitig den Bedarf der Plattform, und so konnte de Mardt gleich zur Eröffnung der deutschen Filiale im Sommer 2018 den spektakulären Auftrag ins Haus holen.

„Es ist dramaturgisch gesehen natürlich ein ziemlich großer Aufschlag für eine Firma, die gerade mal die Büros bezogen hat, als der Produktionsauftrag für die bislang aufwändigste deutsche Netflix-Serie reinkam“, so Sabine de Mardt im Oktober im DWDL.de-Interview. Mit ihren Produzentenkollegen Andreas Bareiss und Rainer Marquass sowie dem von Andreas Heckmann, Arne Nolting und Jan Martin Scharf entwickelten Stoff gelang ihr das zuvor unmöglich Scheinende: den David-gegen-Goliath-Kampf der Germanenstämme im Jahr 9 nach Christus gegen das scheinbar unbesiegbare Römische Reich aus Deutschland heraus für die Welt zu erzählen.

Lohn der Mühen: Netflix vermeldete 37 Millionen Abonnentenhaushalte, die „Barbaren“ in den ersten vier Wochen nach Release gestreamt hatten – ein neuer Rekord für die erste Staffel einer nicht-englischsprachigen Serie – und beauftragte folgerichtig eine zweite Staffel. Was neben den nackten Zahlen freilich besonders beeindruckt, ist die Detailtiefe, mit der internationale Leitmedien in die Würdigung der „Barbaren“ eingestiegen sind. Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ etwa lobte das „exzellente Produktionsdesign, die großartigen schauspielerischen Leistungen, vor allem vom Haupttrio Jeanne Goursaud, David Schütter und Laurence Rupp, und die schöne Kameraführung, die eine ganz spezielle Tonalität erzeugt“. „Entertainment Weekly“ bescheinigte der Serie, sie wisse genau, wann sie „eine Biegung nimmt, um eine starke Story zu erzählen, während sie im Auge behält, was uns die Geschichtsbücher sagen“.

 

DWDL / Torsten Zarges am 10.12.2020
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Sabine de Mardt: Kulturbotschafterin mit Streaming-Rekord